In meinem letzten Post über das Handy als Publishing-Kanal der Zukunft habe ich angekündigt, mich näher mit Alexander Beshers The Manga Man auseinanderzusetzen. Nun ist es an der Zeit, Worten Taten folgen zu lassen und in einer kurzen Rezension meine Eindrücke über den Science-Fiction-Roman zu schildern. Er ist bislang nur auf einer mobilen Webseite erschienen und geht damit neue Wege beim Publizieren literarischer Inhalte. Bei der Rezension wird es nur um inhaltliche Aspekte gehen – Fragen rund um die Lesbarkeit und die Erfahrung, einen Text in Romanlänge am kleinen Handyscreen zu lesen, gibt es in einem späteren Post. Dann werde ich die praktischen Aspekte des Mobile Reading in den Blick nehmen.
Zum Autor
Alexander Besher wurde 1951 in China geboren und wuchs in Japan auf. Bekannt wurde er als Autor der RIM-Trilogie Mitte der 90er Jahre, die ihm eine Nominierung für den renommierten Philip K. Dick Award einbrachte. Vor allem seine tiefe Kenntnis der japanischen Kultur ist ein wiederkehrendes Element seiner Bücher, das Michael Matzer schon bei der Rezension des ersten Buches von Besher bedeutend fand.
Zum Buch
„The Manga Man“ ist der erste Teil der Trilogie „Dance of Darkness“. Das Buch spielt im Jahr 2062 in einer Welt, in der rund um die Träume von Menschen eine Industrie entstanden ist. Dabei produzieren Entertainment-Anbieter Angebote wie „sleep soaps“. Einer der führenden Anbieter dieser Traum-Serien ist Amanda Jones mit ihrer Agentur „Amanda Jones Bio-Anime Literary Agency“. In eine Serie ihres Star-Autors Jack Hill ist nun der unheimliche Butoh assassin eingedrungen, der in Japans hohen Kreisen mit einer Reihe von Morden für Angst und Schrecken sorgt. Es beginnt eine verwirrende Geschichte rund um Träume, Fiktion, Realität und um Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, die den Leser in die bedrohliche Welt des Jahres 2062 hineinzieht.
Beshers Szenario der Traumindustrie fasziniert zunächst. Wie realistisch es ist, dass in fünfzig Jahren eine Entertainment-Industrie rund um Trauminhalte entsteht, vermag ich nicht abzuschätzen. Doch wo, wenn nicht in der Science-Fiction-Literatur, ist Platz für solche Utopien. Auch die Beschreibungen der japanischen Kultur und des dortigen Lebens sind Pluspunkte des Buches. Dass Besher als zentrales Motiv den modernen, unkonventionellen Butoh-Tanz wählt, der in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts entwickelt wurde, verdeutlicht, wie eng der Autor mit der japanischen Kultur verbunden ist. In Bezug auf die Trilogie wird es spannend sein, zu sehen, wie er das Motiv des Butoh abseits von seinem tanzenden Attentäter mit der Geschichte verwebt.
Während diese inhaltlichen Klammern also überzeugen, wirken andere Zukunftsausblicke wie der, dass im Jahre 2062 Reisende standardmäßig auf verbotene Mikroorganismen gescannt werden, reichlich konstruiert. Solche kleinen Einschübe über das Leben in der Zukunft finden sich überall im Buch. Sie bringen die Geschichte nicht voran, sondern wirken immer wie Gedankenspiele, die Besher dem Leser unbedingt noch mitteilen möchte. Das geht auf Kosten des Leseflusses und macht den Roman etwas langatmig.
Letztlich ist „The Manga Man“ dennoch eine faszinierende Geschichte, die zumindest ein Anlesen lohnt. Wer dann feststellt, dass die teils wilden Utopien doch nicht sein Geschmack sind, muss sich nicht ärgern – das Buch hat ja nichts gekostet. Also – auf ins Jahr 2062!
Ich bin ein großer Fan von Besher, seitdem ich seine irre RIM-Trilogie gelesen habe. Mich begeistern seine unglaubliche Phantasie, sein umfassender Einblick in die unterschiedlichen Kulturen, die er in seiner Person und in seinen Büchern vereint, die wahrlich sehr ‘individuellen’ Helden und Wesen, und und und…
Alexander Besher’s neues Buch wirklich ein “Epic Masterpiece” ist. Dieses Man ist ein Genius!