Unterwegs zur Unterhaltung oder zu Hause zum Abschalten – vielen Menschen geht nichts über ein gutes Buch. Dieses Medium durchlebt die digitale Revolution in Deutschland dank Buchpreisbindung und treuer Anhängerschaft mit deutlich weniger Druck als einige Konkurrenten aus der Unterhaltungsindustrie. Dem Willen einiger Pioniere nach ist damit bald Schluss – denn sie schicken sich an, das Handy als Kanal für den Vertrieb von Literatur zu nutzen. Dafür bereiten sie ihre Publikationen speziell für den mobilen Gebrauch auf einem kleinen Screen an.
In Japan sind „mobile novels“ bereits seit einigen Jahren Teil der Jugendkultur. Dabei handelt es sich um Bücher, die von den Autoren auf dem Handy geschrieben und von den Lesern auf dem Telefon gelesen werden. Diese Form der Literatur hat eine eigene Sprache gefunden, die sich von der gedruckter Bücher unterscheidet. Das Wall Street Journal berichtete bereits über dieses Genre und seinen speziellen Stil:
„That means lots of dialogue and really short paragraphs that fit nicely on a small screen. Huge empty spaces between sentences can convey that the characters are deep in thought.
In “To Love You Again,” Shuhei, a high-school boy ushers his childhood sweetheart, Kaori, into an empty science room for a moment of privacy before class when someone locks the door. The following scene goes like this:
Kin Kon Kan Kon (sound of school bell ringing)
(space)
The school bell rang
(space)
“Sigh. We’re missing class”
(space)
She said with an annoyed expression.“
Auch das Gutenberg-Projekt hat einige Werke aus seinem umfangreichen Angebot als Handy-Anwendung veröffentlicht. Das Spektrum reicht dabei von Klassikern wie Arthur Schnitzlers „Die Traumnovelle“ über Ludwig Thomas „Lausbubengeschichten“ bis zu verschiedenen Werken von Guy de Maupassant. Zum Ausprobieren steht „Die Verwandlung“ von Franz Kafka kostenlos zum Download bereit. Produziert wurden die Handy-Bücher von der cosmoblonde GmbH. Das Unternehmen hat Handybücher als eigenständigen Geschäftszweig entwickelt und sieht die Anwendungsmöglichkeiten „vielfältig: von der kostenlosen Leseprobe als Marketing-Tool über eigenständige Publikationen und Fachveröffentlichungen“. Gedacht sei „das Handybuch […] für Verlage […], die dem klassischen Vertriebsweg im Print sowie der Sparte Electronic Publishing einen weiteren Vertriebskanal hinzufügen möchten“. cosmoblonde nutzt Java-Anwendungen für die Literatur auf dem Handy. Die Schriftgröße ist dabei individuell einstellbar, Bookmarks erleichtern die Navigation.
Seien es nun „mobile novels“ oder literarische Klassier wie Kafkas Verwandlung – letztlich entscheidet nur eine Frage darüber, ob sich solche Applikationen als Vertriebskanal für Literatur durchsetzen können. Es geht schlicht darum, wie komfortabel das Lesen von langen Texten auf dem Mobiltelefon ist.
Dieser Problematik werde ich mich in dieser Woche nähern, indem ich das neue Buch von des amerikanischen Science-Fiction-Autors Alexander Besher mit dem Titel „The Manga Man“ über das Handy lesen werde. Dieses Werk ist bis dato nur auf einer mobilen Website veröffentlicht – Besher setzt also voll auf diesen neuen Distributionskanal. Anbei der mystische Trailer:
Ob es wirklich Spaß, Literatur auf dem Handy zu konsumieren, oder ob auch weiter artig 19,90 Euro für 200 Seiten bedrucktes Papier im Buchhandel meines Vertrauens bezahle, beantworte ich dann bald ganz subjektiv anhand dieses Selbstversuchs hier auf Trendmobi.
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