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Mobiles Entertainment

Das Handy als neuartiges Musikinstrument


Stanford Mobile Phone Orchestra Plays Stairway to Heaven from Scott Beale on Vimeo.

Das Handy hat unsere Alltagskultur in den letzten zehn Jahren dermaßen stark verändert, dass es auch für die Kunst interessant geworden ist. Künstler und Musiker versuchen, das technisch Machbare auszuloten und existierende Technologien für ihre kreativen Arbeiten zu öffnen. Besonders spannend ist die Ambivalenz zwischen dem Öffentlichen und dem Privaten, die sich beim Gebrauch des Handys auftut – denn hier bieten sich für Musiker und Künstlern eine Vielzahl von Anknüpfungspunkten.

Die Vielzahl der Sensoren, mit denen moderne Mobiltelefone ausgestattet sind, und die digitale Infrastruktur eröffnen eine riesige Spielwiese für die Klang- und Medienkunst. Im Wesentlichen gibt es zwei Schwerpunkte: Zum einen werden existierende Technologien und Interfaces anders genutzt als ursprünglich vorgesehen. Zum anderen steht die “zeitbasierte Körperlichkeit” im Mittelpunkt. Hierbei geht es um den Datenkörper, der im geographischen Raum erzeugt wird. Wird etwa per GPS eine räumliche Information erfasst, wird diese Information zum Datenkörper, der wiederum auch als Klang verarbeitet werden kann.

Ursprünglich nur zum Telefonieren gedacht, wurde anfangs das neue Medium Handy mit seinen Klingeltönen für künstlerische Zwecke verwendet. Faszinierend bei diesen Auseinandersetzungen mit Klangkunst ist, wie viele unterschiedliche Möglichkeiten des musikalischen Gebrauchs Musiker finden. Hier gibt es eine umfangreiche Liste mit diversen Projekten: Das Handy als mobiler Sequenzer, SMS-Nachrichten hörbar als kollaborative Klangkollage im Radio oder klingelnde Handys als Instrumente, ferngesteuert von den Teilnehmern.


(Video: “Stanford’s Mobile Phone Orchestra and iPhone Ocarina” Direktlink)

Am Stanford University Center for Computer Research setzt das Mobile Phone Orchestra (MoPhO) Mobiltelefone als primäres Musikinstrument ein. Jenseits von Klangkunst mit Klingeltönen nutzt das Ensemble in interaktiven Werken die technischen Möglichkeiten heutiger Handys und wandelt Tastaturen, GPS, Beschleunigungssensoren sowie die eingebauten Mikrophone der Handys in beeindruckender Weise zu Musikinstrumenten. Mehr Informationen dazu in dem Artikel Stanford researcher uses cell phones to make music.


(Video: “iPhone App by Smule: Ocarina” Direktlink)

Das MoPhO wird geleitet von Dr. Ge Wang, einem Dozenten für Musik am Stanford Center for Computer Research in Music and Acoustics (CCRMA). Er ist auch Co-Founder der Firma Smule, welche Anwendungen für das iPhone entwickelt. An vorderster Front bei Smule steht die Anwendung Ocarina. Ähnlich einer Pan- oder einer Querflöte reagiert das iPhone mithilfe von Ocarina auf Atemluft, Berührungen und Bewegungen. Zwei andere Applikation von Smule sind Zephyr, die audiovisuelle Effekte mit dem Touchpad verbindet (YouTube Video zu Zephyr), und Sonic Vox zum Pitchen der eigenen Stimme (YouTube Video zu Sonic Vox).

Die Ideen, aus Mobiltelefonen interessante Musikinstrumente zu machen, reißen nicht ab. Heute ist es in der elektronischen Popmusik üblich, dass ein Laptop als Instrument eine Band begleitet, oder in Clubs ganze Elektro-Konzerte nur mit dem Laptop bestritten werden. In naher Zukunft wird elektronische Musik auch von Handys kommen. Gleichzeitig werden die performativen Möglichkeiten eines Konzerts größer sein, wenn die Musiker nicht mehr statisch auf der Bühne stehen müssen, sondern sich mobil vernetzt mit ihren Instrumenten bewegen und mit dem Publikum interagieren können.

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