Als Kind verdiente ich mir etwas dazu, indem ich Kastanien sammelte. Das war gar nicht schwer, denn Kastanien sind recht groß und leicht zu finden. Ich verkaufte sie eimerweise zu Dumpingpreisen an meinen Vater, den Jäger, der die Kastanien im Wald verstreute, um das Wild anzulocken. Später sammelte ich auch Bucheckern, was schon deutlich mühseliger war. Am aufwendigsten war es jedoch, die Daten für meine Diplomarbeit zu sammeln – die schwammen nämlich in Form verschiedener Fischarten zehn Meter unter dem Meeresspiegel. Immerhin unter dem Karibischen Meeresspiegel. Trotzdem musste ich die Daten erst unter Wasser mit Bleistift auf eine Plastiktafel kritzeln, bevor ich sie abends auf dem Computer in eine Tabelle eintragen konnte: Fischart, -größe und -farbe, Position des Fisches, Anzahl der Individuen und Wassertemperatur. Hätte ich doch damals bloß ein wasserdichtes Handy gehabt! Und eine von diesen vielen Anwendungen, die das Datensammeln unter schwierigen Umständen erleichtern!
Diese Daten-Sammel-Anwendungen erleben gerade einen Boom und erleichtern besonders in den dünn besiedelten Gegenden Afrikas die Arbeit mit Daten, die mehr Parameter als „braun, rund, gleich Kastanie“ enthalten. Es gibt bereits zahlreiche Anwendungen, etwa RapidSMS von Unicef, JavaRosa oder Nokia Data Gathering.
Beispiel RapidSMS: Man kann individuelle Eingabetabellen gestalten und dann etwa bei Gesundheitschecks in der ländlichen Bevölkerung Parameter wie Name, Alter, Impfungen und ähnliches direkt ins Handy tippen. Per SMS landen die Daten schnell im Büro, wo ein Kollege sie aufbereitet und auswertet – so muss er nicht erst wochenlang warten, bis die Datensammler mit Stapeln von Papier zurückkommen. Auch ein vergleichsweise teurer Laptop ist nicht nötig. Der Service von Nokia bietet auch die Möglichkeit, die Daten per GPRS zu übertragen. Die Anwendungen variieren von einfachen SMS-Eingabeformularen über Java-Programme bis hin zu Internet-Formularen. Eine gute Übersicht bietet MobileActive.org.
Ob es darum geht, Öko-Kaffeebauern zu managen, die Verteilung von Hilfsgütern in Äthiopien zu überwachen oder dem Gesundheitsministerium von Uganda direktes Feedback über die Situation auf dem Land zu geben – Anwendungsmöglichkeiten gibt es viele und die NGOs freuen sich. Schließlich ist Entwicklungszusammenarbeit um einiges komplizierter als Kastaniensammeln.
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