Die meisten von uns haben ihr Bild von Afrika aus den Medien. Diese Meme-Map verdeutlicht, welche Begriffe wir deshalb mit Afrika verbinden:

(von: Meme Huffer)
Das Problem daran ist das festgefahrene Bild in unseren Köpfen. Eine Vorstellung, die Investoren und so manchen Touristen von Afrika fernhält. Dabei könnte dieses Bild auch ein anderes sein, so wie es von vielen afrikanischen Bloggern, sozialen Unternehmern und Aktivisten wahrgenommen wird:

Beide Eindrücke von Afrika haben ihre Berechtigung. Doch die wenigen Meldungen die von dem riesigen Kontinent bis zu uns dringen, entsprechen eher den Botschaften im ersten Bild. David Weinberger, Co-Autor des Cluetrain Manifests, untersuchte diese sonderbare Berichterstattung am Beispiel Japan vs. Nigeria. Er stellt fest, dass eine amerikanische Zeitung etwa zehnmal mehr über Japan berichtet als über Nigeria, zwei Länder mit ähnlicher Einwohnerzahl.Weinberger nennt das den „Ninja Gap“: Japan hat Ninjas, Nigeria nicht. Was das mit medialer Wahrnehmung zu tun hat? Weinberger erklärt es so:
“Wir interessieren uns mehr für Japan als für Nigeria, weil Japan die „coolere“ Kultur besitzt. Wir kennen diese Kultur, weil einige westliche Autoren Bestseller über Ninjas geschrieben haben und weil Hollywood mit Ninja-Filme nachlegte. Ohne Zweifel besitzt auch Nigeria etwas so kulturell Spannendes wie Ninjas. Gäbe es Blockbuster über nigerianische Ninjas, so würden wir uns eben für Nigeria interessieren.”
Der Kontext, in dem wir Nigeria sehen, hat also wenig mit der Coolness einer geheimen Kampftruppe zu tun. Was wir von Nigeria eher kennen, sind dümmliche Spammails, in denen angeblich geschasste Regierungsmitglieder Geld von uns wollen und Millionengewinne versprechen (der englische Begriff dafür lautet übrigens „Backward 419“, s. erstes Bild oben). Da diese Erfahrung unsere einzige Wahrnehmung von Nigeria ist, fällt unser Gehirn ein pauschales Negativurteil.
Nun, die afrikanischen Probleme – korrupte Politiker, Armut, Kriege, schwache Infrastruktur etc. – sind real. Aber sie bieten auch eine Chance, wie Blogger und IT-Experte Erik Hersman feststellt:
“Diejenigen Entwickler, die Lösungen anbieten, die Software schreiben und Hardware hacken, tun dies unter den schwierigsten nur denkbaren Verhältnissen. Jede Kultur verändert den Gebrauch oder das Gerät selbst – so, wie es die lokalen Umstände eben erfordern. Das gilt insbesondere für Afrika und diese Evolution findet gerade direkt vor unseren Augen statt.”
Und so kommt Hersman zu einem pragmatisch, positiven Slogan, der in der afrikanischen Bloggerszene längst die Runde gemacht hat:

Ninja-Gap? Quatsch! Noch nie was von den Nachrichtenfaktoren von Galtung & Ruge gehört? Dass die USA mehr über Japan berichten als über Nigeria liegt am Nachrichtenwertfaktor “kulturelle Nähe” (beides Industriestaaten, ähnliche Lebensbedingungen etc). Mit Coolness hat das nichts zu tun.