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Digital Trends

Data Visualization Galore: Die Web Trend Map 4.0 aus Tokio

Data Visualization Galore: Die Web Trend Map 4.0 aus Tokio

Der Schweizer Oliver Reichenstein gründete 2005 die Agentur Information Architects, abgekürzt iA, in Tokio. Seit vier Jahren veröffentlichen nun iA – mit ziemlichem Erfolg – die Web Trend Map, eine etwas andere Version des gigantischen U-Bahnnetzes in Tokio: Die Linien der Millionenmetropole zeigen die Hauptakteure im Internet, gemessen an ihrem Traffic und an ihrer Stabilität. Dafür entwickelte Oliver sogar ein kleines Spühr-Tool, das den tatsächlichen Traffic genau verzeichnet hat. trendmobi bat Oliver zum flotten Q&A:

Eure Web Trend Map von der Tokioter U-Bahn kommt bereits mit der vierten Ausgabe: Wie hat die Serie eigentlich angefangen?
Metrokarten als Mindmaps oder Trendmaps gibt es schon lange und in vielen Varianten. Auf der Suche nach einer Idee für die Neujahrs-Weihnachtskarte für unsere Kunden bin ich auf ein paar zweckentfremdete Metrokarten gestoßen und dachte: Was passiert wohl, wenn man Tokio als Metapher für das Internet hernimmt? Und das Ding war in einem Nachmittag fertig. Die Karte ist so gut angekommen, dass mir verschiedene Kunden zurück geschrieben haben, ich solle doch eine Onlineversion publizieren. Von da an musste ich nicht mehr viel tun. Die erste Web Trend Map von iA als Weihnachts und Neujahrskarte gedacht von 2006.

Was waren die Kriterien für die Map: Wie entscheidet Ihr, wer wichtig und vertreten ist – und wer nicht?
Hauptkriterien sind Traffictrend und finanzielle Stabilität. Bei der ersten Karte war der Entscheidungsprozess relativ leicht, weil sie nur sehr wenige Stationen hatte – es ist nicht schwierig, die 50 größten zu eruieren. In die letzte Karte von 2009 haben wir zwei Monate Research investiert. Es ist unglaublich schwierig, an verlässliche Zahlen ranzukommen. Vor allem die Amerikaner machen gerne ein Geheimnis aus dem tatsächlichen Traffic, weil man durch die Verschleierung der realen Zahlen den Hype um eine Website anheizen kann. Wir haben ein kleines Online-Tool gebaut, das einen Schnitt der Daten der verschiedenen Trafficzählservices wie Alexa, Comcast oder Google Trends in Echtzeit auswertet. Dadurch kriegt man schon ein recht gutes Bild.
Mit Technologie alleine kommt man aber kaum zu einem befriedigenden Ergebnis. In Zahlen gerechnet ist Microsoft beispielsweise ein echter Godzilla. Dennoch ist das, was wir von Microsoft online zu sehen kriegen selten besonders aufregend. An diesem Punkt spielt freilich auch etwas Subjektivität mit. So hat es ein Service, der es während der letzten Jahre immer wieder in die Technews wie TechCrunch, Techmeme, Engadget und anderen geschafft hat, bessere Chancen ausgewählt zu werden als ein Trafficmagnet, von dem man kaum etwas hört. Das ist vielleicht nicht ganz fair, aber es handelt sich ja um eine Trendmap und nicht um eine naturwissenschaftliche Arbeit. Wenn die Trafficzahlen durchsichtiger wären, wäre unsere Arbeit aber um einiges leichter.

Clever, ein eigenes Tool zu bauen! Wenn Ihr die letzten drei Maps seit 2006 mit der neuen von 2009 vergleicht, wo sind da die größten Verschiebungen? Auf den ersten Blick ist zum Beispiel eBay nicht mehr so groß vertreten wie vorher…
Nun, das Internet hat sich in den letzten drei Jahren enorm gewandelt. Die größte Veränderung ist, dass die Domain als Informationsknotenpunkt, der Hyperlink als Informationsverbindung von der persönlichen Identität und ihrer Vernetzung abgelöst wird. Deshalb tauchen in der Version 4 nun plötzlich Leute auf.
eBay hat meiner Meinung nach enorm viel falsch gemacht und viel deutlicher gelitten als es auf der Map zu sehen ist. Das zeigt sich sowohl am Traffic als auch an der Markenwahrnehmung.

Und was ist Deine vorsichtige Prognose fürs nächste Jahr für die Trendkarte?
Es könnte sein, dass auf der nächsten Map die Leute das Hauptnetz bilden, während die Domains eine Nebenrolle spielen. Wir versuchen im nächsten Monat eine interaktive Version zu lancieren. Die soll uns helfen, die kommende Map nicht mehr mit solch einem gigantischen Researchaufwand zusammenzustellen.

Was sind eigentlich Deine liebsten Datenvisualisierungen im Netz?
Spontan kommen mir zuerst die Flickr-Gruppen Info Graphics und Diagram Diaries in den Sinn. Ich beobachte auch regelmäßig den Fotostream von densitydesign.

Zu guter Letzt, an welchen Projekten arbeiten iA gerade?
Vor allem an Zeitungen. Wir haben zwei größere Re-Design-Projekte in Europa. Das eine wird im August gelauncht, das andere im Oktober. Wir dürfen aber noch nicht verraten, für wen…

Herzlichen Dank!

Diskussion

1 Kommentar für “Data Visualization Galore: Die Web Trend Map 4.0 aus Tokio”

  1. Habe euch leider in keinem Bloggverzeichnis gefunden – das solltet ihr ändern, weil das wirklich gut aussieht.

    Geschrieben von Paula Logarus | 30. Oktober 2009, 11:33

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