In Afrika ist der Mobilfunkmarkt nach wie vor in Bewegung. Und er ist einer derjenigen, der noch kräftig wächst. Nun stehen zwei große Deals bevor – hier ein kleiner Überblick über die Situation:
Der Marktführer in Afrika, MTN (Mobile Technology Networks, Hauptsitz Südafrika), ist auf dem Weg, der drittgrößte Mobilfunkanbieter der Welt zu werden. Seit einiger Zeit führt MTN exklusive Fusionsverhandlungen mit Bharti Airtel (mit über 85 Millionen Kunden die Nummer eins auf dem indischen Markt). Doch die Verhandlungen ziehen sich hin: Die beiden Firmen hatten schon letztes Jahr versucht, zusammenzufinden, aber auch die diesjährigen Gespräche wurden schon mehrmals verlängert. Ein Grund dafür könnte sein, dass die MTN und Bharti relativ gleich stark sind, mit ähnlicher Kundenzahl und Finanzkraft. Zunächst sollte Bharti MTN übernehmen, dann versuchte MTN den Spieß umzudrehen, schrieb die NY Times noch im Mai.
Käme die Fusion aber schließlich zustande, würde der neue Mobilfunkriese der drittgrößte Anbieter der Welt mit mehr als 200 Millionen Kunden sein.
Dass Afrika nach wie vor ein sehr dynamischer Markt ist, liegt an seinem ungebremsten Wachstum. Laut Branchenverband Bitkom gab es 2008 weltweit 3,9 Milliarden Handy-Verträge, dieses Jahr sollen es 4,4 Milliarden sein. Ein wesentlicher Teil dieses Wachstums ist auf Afrika zurückzuführen. In einem Dossier der Financial Times Deutschland heißt es, dass Afrika die größte Region sei, in der Menschen noch kein Handy besitzen. Und weiter: Die Marktdurchdringung liegt zwischen 28 und 40 Prozent. In Deutschland und anderen Industrieländern ist der Markt mit mehr als einem Handy pro Person weitgehend gesättigt – hier herrscht vor allem ein zermürbender Preiskampf.
Doch der Markt in Afrika birgt auch Risiken. Da die Einkommen extrem niedrig sind, muss ein Mobilfunknetz äußerst kosteneffizient betrieben werden, um noch Gewinnmargen erzielen zu können. Außerdem muss weiterhin in die Infrastruktur investiert werden und auch die klimatischen Bedingungen sind nicht zu unterschätzen.
In so einem Umfeld kennt sich der indische Mobilfunkanbieter Reliance aus. Momentan noch die Nummer zwei, aber mit dem Ziel vor Augen, bis Ende des Jahres die 100-Millionen-Kunden-Marke zu knacken, ist der kleine Riese am Afrika-Geschäft von Zain interessiert. Die Firma aus Kuwait betreut heute noch 70 Millionen Kunden in 24 Ländern. Dass sich Zain aus dem Afrika-Geschäft zurückziehen möchte, liegt wohl auch daran, dass das Kundenwachstum auf dem heimischen Markt größer ist: „In den zwölf Monaten bis zum Ende des ersten Quartals 2009 betrug das Kundenwachstum in Afrika (ohne den zur Nahost-Division gezählten Sudan) 36 Prozent, während es im Nahen Osten (inklusive Sudan) 50 Prozent waren“, schreibt Heise online. Auch sei 2008 nur ein Zehntel des Profits bei Zain aus Afrika gekommen.
Die indische Reliance dagegen will genau dort hin und ist schon seit längerem am afrikanischen Markt interessiert: Schon vor Bharti verhandelte das Unternehmen des indischen Multimilliardärs Anil Ambani mit MTN. Doch nun will Reliance für gut sieben Milliarden bei der Zain einsteigen. Die Verhandlungen laufen…
PS: Neben MTN und Zain zählen noch Vodafone, Orascom sowie France Telecom zu den größeren Mobilfunkanbietern in Afrika.
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